"Gunnar Jacobson aus Schweden saß als Zehnjähriger im Schweiz-Express, der am 21. Juli 1971 bei Rheinweiler entgleiste. 23 Menschen starben, mehr als 120 Menschen wurden teils schwer verletzt. "

Gunnar Jacobson från Sverige satt som tioåring i Schweiz-Express, vilken 21 juli 1971 spårade ur vid Rheinweiler. 23 mäniskor omkom, däribland hans 13-åriga syster, mer än 120 skades, vissa svårt, däribland hans mor.

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Das Zugunglück von Rheinweiler jährt sich am Mittwoch zum 50. Mal. Gunnar Jacobson aus Stockholm ist ein Überlebender des Unglücks vom 21. Juli 1971. Der Schweiz-Express von Basel aus kommend, der Richtung Kopenhagen unterwegs war, entgleiste mit 140 Kilometern pro Stunde kurz nach 13 Uhr bei der Einfahrt in den Ort. In dem engen Kurvenabschnitt der Rheintalbahn waren nur 75 km/h erlaubt. 23 Menschen starben, mehr als 120 Menschen wurden teils schwer verletzt. Jutta Schütz sprach mit Jacobson.

BZ: Herr Jacobson, bei dem Unglück starb Ihre Schwester, Ihre Mutter wurde sehr schwer verletzt – wie haben Sie das erlebt?
Gunnar Jacobson: Ich war zehn Jahre alt und erinnere mich ganz genau an den Tag. Meine Mutter Margit, damals 39 Jahre alt, meine dreizehnjährige Schwester Maria und ich hatten meinen Onkel in der Schweiz besucht. Wir wollten auf dem Rückweg noch einen Verwandten in Hannover besuchen und saßen in einem Wagen hinter der Lok und deshalb nicht in den beiden letzten Wagen, die nach Kopenhagen weitergeleitet werden sollten und die nicht entgleisten. Mein Vater Thorbjörn war nicht dabei, er war auf einem Bootsurlaub in Schweden.

BZ: An welche weiteren Details erinnern Sie sich?
Jacobson: Es war ein heißer Tag, als mein Onkel uns nach Basel fuhr. Meine Schwester kaufte im Bahnhof noch ein Souvenir, eine kleine Schweizer Kuhglocke. Für uns bedeutete der Kauf, dass wir rennen mussten, um den Zug noch zu erreichen, wir schafften es auf die Sekunde. Hätten wir ihn doch nur verpasst...
BZ: Können Sie den Augenblick des Unglücks beschreiben?
Jacobson: Ich hatte im Moment des Unglücks kurz das Gefühl, schwerelos zu sein. Als das mehrfache Überschlagen des Waggons stoppte, war ich unverletzt und saß neben einem Gepäckregal. Meine Mutter war neben mir. Ihr Arm fehlte, er war abgeschnitten, das Blut floss nur so, und sie war eingeklemmt, ein Bein ragte aus dem Fenster. Sie rief nach mir und nach meiner Schwester Maria. Meine Schwester war nirgendwo zu sehen und zwei weitere Passagiere im Abteil waren entweder tot oder bewusstlos. Der Wagen lag fast auf dem Kopf, ich schaffte es auf die andere Zugseite und kletterte durch eine Fensteröffnung. Bevor ich auf den Boden sprang, sah ich Maria im Gras liegen. Sie sah friedlich aus, aber ich wusste, dass sie tot war.

BZ: Erinnern Sie sich, wann die Helfer und Rettungsmannschaften eintrafen und man Sie ins Krankenhaus fuhr?
Jacobson: Ich sprach nur Englisch, aber auf der Straße wies mich jemand zum nächsten Haus, dort bekam ich ein Glas Wasser. Die ersten Helfer aus dem Ort waren sofort da. Dann Feuerwehr, Polizei, das Rote Kreuz und deutsche und französische Hubschrauber, ich glaube auch Militär. Mit einem amerikanischen Paar bin ich zum Bahnhof in Rheinweiler gebracht worden, dort gab es eine Art Krisen-Zentrum. Ich wurde ins Krankenhaus nach Müllheim gefahren, dabei wusste ich nicht, ob meine Mutter noch lebte. Ich habe die Nacht im Müllheimer Krankenhaus verbracht.

BZ: Wie erfuhren Ihre Angehörigen von dem Unglück?
Jacobson: Mein Vater hörte im schwedischen Radio einen Aufruf, dass er seinen Schwager kontaktieren solle. Mein Onkel kam aus der Schweiz und holte mich aus dem Krankenhaus, einen Tag später kam mein Vater.
Gunnar Jacobson ist 60 Jahre alt, verheiratet und lebt in Stockholm. Er ist als Unternehmer für Informationstechnik im Bankwesen zuständig und Vorsitzender einer internetbasierten Anwaltskanzlei.

BZ: Wie ging es weiter?
Jacobson: Die Rettungsmannschaften hatten meine Mutter aus dem Zug geschnitten und sie war nach Freiburg geflogen worden. Die Ärzte mussten sie zwei Mal wiederbeleben. Sie lag erst lange in Freiburg und dann noch sechs Monate in Schweden im Hospital. Mit meinem Vater fuhr ich nach dem Unglück zu einer Polizeistation, wo man persönliche Gegenstände der Zugpassagiere gesammelt hatte. Wir fanden meinen grünen Koffer und den pinkfarbenen Koffer meiner Schwester. Im Anschluss musste mein Vater meine Schwester identifizieren, danach war er nicht mehr er selbst.

BZ: Bekam Ihre Familie Unterstützung oder eine Entschädigung der Deutschen Bundesbahn?
Jacobson: Meine Mutter erhielt eine einmalige Summe als Kompensation. Ich weiß aber die Höhe nicht. Meinem Onkel, der Rechtsanwalt war, gelang es, für sie eine lebenslange kleine Rente von der Deutschen Bundesbahn zu bekommen.

BZ: Wie haben Sie mit der Erinnerung an das Unglück weitergelebt?
Jacobson: Psychologische Unterstützung gab es damals nicht. Meine Mutter fokussierte sich darauf, gesund zu werden und mit nur noch einem Arm zurechtzukommen. Meinen Vater haben die Gedanken an Maria nie verlassen. Verwandte haben uns unterstützt, und meine Cousins wurden so etwas wie meine neuen Geschwister. Meine Eltern sind übrigens beide 2019 gestorben.

BZ: Haben Sie Kontakt zu anderen Überlebenden oder zu einem der Helfer?
Jacobson: Ich kenne eine Amerikanerin, Susan Zanin, die ihre Schwester bei dem Unglück verloren hat. Ich habe noch einen der Helfer angeschrieben, Ludwig Hugenschmidt aus Rheinweiler. Sein Sohn hat mir geantwortet.

BZ: Kommen Sie zur Gedenkfeier?

Jacobson: Ja, ich komme zur Gedenkfeier. Ich bin dann das erste Mal seit 1971 wieder in Rheinweiler. Ich möchte auch mehr zum Unglück, das mich immer beschäftigt hat, erfahren.

BZ: Möchten Sie noch etwas ergänzen?
Jacobson: Ich finde es absolut bewundernswert, wie eine Gemeinschaft, ein kleines Dorf, so zusammenstehen konnte und völlig Fremden sofort half. Das Unglück wird auch in der Erinnerung vieler Menschen in Rheinweiler noch immer präsent sein, bei denen, die halfen und bei denen, die selbst Angehörige verloren, die in dem Haus gewohnt hatten, das bei dem Unglück zerstört wurde.

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